Geschichte des Bürgervereins Nächstebreck
1900 74 Vereine der verschiedensten Interessengebiete waren in Nächstebreck ansässig.
1912 Der "Gemeinnützige Bürgerverein Beckacker" wird gegründet. Ihm gehören 140 Mitglieder an.
1926 Umbenennung in "Bezirksverein Beckacker-Nächstebreck"
1937 Sämtliche Eingaben des Bürgervereins mussten an die NSDAP weitergeleitet werden.
1939 Am 8.12. mussten alle, zum Teil auch sehr erfolgreiche, Aktivitäten aufgrund des Krieges eingestellt werden.
1951 Der Rechtsanwalt Riehl initiierte eine Wiedergründung des Vereins unter dem Namen "Bezirksverein Barmen Nordost". Durch einen niedrigen Jahresbeitrag von 3 Mark konnte die Geschäftswelt fast vollständig gewonnen werden. Die ersten Aufgaben:Schulfragen, Schulwege, Schulräumlichkeiten und Straßenverhältnisse.
1952 Am 21.2. erste Versammlung unter dem Motto "Gemeinden sind wichtiger als der Staat". Gäste waren u. a. der damalige Oberbürgermeister Schmeissing, der Landtagsabgeordnete Dr. Brauda, sowie wichtige Vertreter von Presse und Nachbarvereinen.
1958 Erstes vom Bürgerverein organisierte Heimatfest.
1962 50-Jahr Feier des Bürgervereins. Anlass eines 3-tägigem Heimatfestes.
1969 In der Adventszeit wurden an die Bürger über 75 Jahre Christstollen verteilt. Das Weltkriegs- denkmal wurde durch den Bürgerverein mit einer Tafel versetzt, die die Opfer des 2. Weltkrieges enthielt.
1972 Der Bürgerverein war maßgeblich an der Gründung der Altentagesstätte an der Weiherstraße beteiligt.
1975 Gründung eines Nächstebrecker Festausschusses bestehend aus dem Bürgerverein sowie weitere Vereine aus Sport, Gesang, Feuerwehr u. a.. Der Bürgerverein bleibt weiterhin Ansprechpartner zwischen Volk und Regierung.
1986 Umbenennung in "Bürgerverein Nächstebreck e.V."

  Laudatio von H. Hermann Joseph Richter zum 100 Jährigen bestehen des Bürgervereines

Sehr geehrte Damen und Herren,
100 Jahre Bürgerverein - 100 Jahre haben sich viele Bürgerinnen und Bürger unseres Stadtteils ehrenamtlich für ihre Heimat, für ihre Nachbarschaft eingesetzt. Sehr unterschiedliche Menschen, sehr unterschiedliche Charaktere, weltanschaulich und politisch bunt vertreten - aber alle einig in einem Ziel: sich für ihren Stadtteil zu engagieren, für das Gemeinwohl und für die Menschen, die hier wohnen und leben, denen Nächstebreck Heimat ist - einzusetzen. Die Arbeit der Bürgervereine lässt sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts nur begrenzt zurückverfolgen. Ein Auszug aus dem Vereinsregister Langerfeld aus dem Jahre 1900 stellt fest, dass im Bereich Langerfeld Nächstebreck insgesamt 74 Vereine der verschiedensten Interessengebiete tätig waren. Darunter war auch ein Bürgerverein Nächstebreck registriert. Bezüglich des vorerwähnten Vereinsregisters von 1900 ist es interessant zu wissen, dass unter diesen 74 Vereinen neben den traditionellen Vereinen wie Turn-Sport- Musik und Gesangverein unter anderem auch eine Rindvieh Versicherungsgesellschaft ein Verein für volkstümliche Wahlen, ein Fußtourenverein und eine Gesellschaft für Raucherclubs waren. Das Bestehen unseres heutigen Vereins läßt sich lückenlos nachvollziehen: Es ist das Jahr 1912 140 Nächstebreckerinnen und Nächstebrecker fanden sich zusammen, gründeten den "gemeinnützigen Bürgerverein Beckacker" Zum 1. Vorsitzenden wurde Hermann Julius Quambusch gewählt.
1926 gab sich der Verein unter dem langjährigen Vorsitz des Postmeisters Müller, der auch Stadtverordneter war den Namen Bezirksverein Beckacker Nächstebreck.
Bis 1939 liegen alle, lückenlos geführte Protokolle vor. Aber bereits 1937 begannen die Nazis das Vereinsleben im Zuge der "Gleichschaltung" zu zerstören. So finden wir vom 16.2.1937 eine Protokollnotiz, "daß in Zukunft alle Eingaben der Bezirksvereine nicht mehr unmittelbar an die Stadtverwaltung, sondern durch das Amt der Kreisverwaltung der NSDAP weiterzuleiten sind. Naziherrschaft und die dann folgenden Kriegsjahre zwangen den Verein seine bis dahin erfolgreichen Aktivitäten am 8.12. 1939 einzustellen. Es folgte die dunkelste Zeit in der Geschichte unseres Vaterlandes.
Aber bereits am 5. November 1951 fanden sich 51 Anwohner des Beckacker und Nächstebrecks in der Gaststätte Alfred Bröcker auf dem Beckacker zusammen um an der alten Tradition bürgerlichen Engagements für den Heimatstadtteil wieder anzuknüpfen. Der auf dieser Versammlung neu gewählte 1. Vorsitzende, Herr Rechstanwalt Riehl, erläuterte die Belange und Zweck des Vereins. Er stellte die Wahrnehmungen der Bezirksinteressen und die Förderung des Gemeinsinns unter Ausschluss aller parteipolitischen Bestrebungen - wie es im Protokoll heißt - in den Vordergrund. Und so sah er erste Nachkriegsvorstand aus:
1. Vorsitzender RA Riehl 1. Kassierer Herr Hossmann
2. Vorsitzender Karl Hornmann 2. Kassierer Herr Walters
1. Schriftführer Herr Oppermann 1. Beisitzer Herr Schrader
2. Schriftführer Herr Höfel 2. Beisitzer Herr Abt
Der Verein übernahm die alte Satzung aus der Vorkriegszeit und gab sich den Namen Bezirksverein Barmen Nord-Ost 1954 wurde als Nachfolger von Herrn RA Riehl, Karl Hornmann zum 1. Vorsitzenden gewählt.
1958 wurde das erste Heimatfest durchgeführt und 1962 anlässlich des 50 jährigen Bestehens ein weiteres Heimatfest. Diese Tradition setzten wir mit den Heimatfesten ab 1978 bis 1986 fort. Wir, das war die Arbeitsgemeinschaft der Nächstebrecker Vereine, die sich 1975 gründete.
Im Juni 1982 übernahm Werner Flasdieck die Vereinsführung, die er bis zu seinem frühen Tod innehatte. Unter seinem Vorsitz wurde dann im März 1986 der "Bezirksverein Barmen-Nord-Ost" in Bürgerverein Nächstebreck umbenannt. Hierdurch sollte herausgestellt werden, daß sich der Verein als Sachwalter der Bürgerinteressen Nächstebrecks versteht. Außerdem sollten Verwechselungen mit der politischen Bezirksvertretung vermieden werden.
Im März 1988 übernahm dann Herbert Schmitz den Vorsitz des Bürgervereins, den er 14 Jahre mit großem Erfolg führte. So wurde u.a. die Gemeinschaftsaktion "sauberes Nächstebreck" ins Leben gerufen, an der sich auch in diesem Jahr wieder über 40 Helferinnen und Helfer zwischen 7 und 70 Jahren beteiligt haben. Eine Gemeinschaftsaktion von Grundschule Hottenstein, Dorfgemeinschaft Bracken, der freiw. Feuerwehr und des Bürgervereins.
Ebenso die Jahresfahrten, die auch in 2012 wieder ein tolles Ziel hatten. - darauf kommen wir im Laufe des Abends nochmals zurück.
Seit März 2002 darf ich nun den Verein, dem ich seit 1972 als 2. Vorsitzender angehöre führen. Mit Vortragsveranstaltungen oder dem Dämmerschoppen haben wir einige neue Akzente gesetzt - ohne auf gute traditionelle Veranstaltungen zu verzichten. Eine der wichtigsten Veranstaltungen seit 1952 ist sicherlich auch die Ausgestaltung der Feierstunde zum Volkstrauertag, an der selbst bei schlechtem Wetter immer um die 100 Teilnehmer anwesend sind. Mitte der 1970er Jahre entdeckte ich durch einen Zufall im Uhrenmuseum Abeler in Elberfeld ein Wappen mit der Aufschrift Nächstebreck. Das ließ mich nicht ruhen, bis ich die genaue Geschichte dieses Wappens kannte. Die Wappen von Langerfeld und Nächstebreck ähneln sich sehr und waren Symbol einstiger kommunaler Selbsständigkeit und einer langen, erfolgreichen Gemeinsamkeit von Langerfeld, Schwelm und Nächstebreck in Westfalen. Der von der Nächstebrecker Gemeindevertretung 1902 genehmigte Entwurf mit dem schräggestellten märkischen Schachbalken, dem Weberschiffchen und dem aufsteigendem Westfalenroß erlangte jedoch Rechtskraft. Umsomehr freue ich mich, daß dieses Wappen heute von vielen Organisationen und Vereinen unseres Stadtteils mit übernommen wurde und seit einigen Jahren sogar einen Ehrenplatz im Rathaus hat. Es hängt im Ratssaal gemeinsam mit den Wappen ehemals selbständiger Gemeinden - heute Stadtteile - über dem Kopf des Oberbürgermeisters und erinnert ihn stehts daran, daß es gerade die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen in Wuppertal ist, die den Reiz dieser Stadt ausmacht, und wie wichtig es ist, - bei allem Bekenntnis zur Großstadt Wuppertal - dies zu erhalten. Das Verdienst, die Geschichte Nächstebrecks wiederentdeckt,und aus unzähligen Akten, Urkunden und sonstigen Schrifterzeugnissen erforscht zu haben gebührt Gerd Helbeck aus Schwelm, dem ehemaligen Leiter des Museums Haus Martfeld. So konnten wir 1986 gestüzt auf seine Forschungsergebnisse unser 500 jähriges Bestehen feiern. Nächstebreck hat seit 1912 eine sehr bewegte Geschichte. 1922 Eingemeindung nach Barmen 1929 Zusammenschluß zur Stadt Wuppertal Mit dem Verlust der kommunalen Selbständigkeit endet die Geschichte der Landgemeinde Nächstebreck. Die Eingemeindung nach Barmen 1922 stellte einen tiefen Einschnitt im gemeindlichen Leben Nächstebrecks dar, ohne jedoch dieses zu beenden. 100 Jahre Bürgerverein machen dies deutlich: ein buntes, vielfältiges Vereinsleben und der Stolz Nächstebrecker zu sein, die rege Teilnahme der Bürgerschaft an vielen Stadtteilaktivitäten - von freiw. Feuerwehr über die Turn- und Sportvereine, dem Gesangverein, den Kirchengemeinden mit ihren Fördervereinen, dem CVJM, den Kleingartenvereinen, einer im höchsten Maße aktiven Grundschule und der Dorfgemeinschaft Bracken unterstreichen bürgerschaftliches Engagement. Der Bürgerverein wirkt in allen Bereichen mit und stellt mit seinen über 200 Mitgliedern sich der gemeindlichen Arbeit, der Heimatpflege zur Verfügung. Er versteht sich als Bindeglied zwischen Bürgerschaft Politik und Verwaltung unserer Stadt. Wir konnten mit vereinten Kräften Neu Nächstebreck - die Schwebebahnverlängerung - und den kommunalen Ostfriedhof verhindern. Die Identität Nächstebrecks wäre verloren gegangen. Aus einem gewachsenen idyllischen Stadtteil wäre eine anonyme Trabantenstadt geworden. Wir haben Gewerbegebiete und damit Arbeitsplätze unterstützt - und sichergestellt, dass unsere wertvolle Landschaft nicht nachhaltig ge- oder gar zerstört wird. Daraus ergab sich die Notwendigkeit den zusätzlichen Individualverkehr neu zu führen. Die Idee der EB 51 heute Nächstebrecker Str. wurde hier in diesem Saal gemeinsam mit dem damaligen Tiefbaudirektor Stücker geboren - und wir haben diese Idee durchgesetzt. Wir unterstützen die Arbeit der Wuppertalbewegung und freuen uns auf die Radwegtrasse durch Nächstebreck und den Scheer Tunnel nach Hattingen. Wir haben und werden uns weiter nachhaltig einsetzen für den Erhalt dieses wunderschönen Gemeindesaals. Wir bedauern sehr den Verlust der Fertighausausstellung. Ob Ikea kommt? Wer weis das ! Ich muss allerdings auch anmerken, dass die derzeitigen Pläne der Verkehrsführung uns nicht zufrieden stellen und Widerstand hervorrufen. Wir setzen uns ein, für ein liebens- und lebenswertes Nächstebreck, dass seinen Charakter nicht verliert, aber sich gleichzeitig modernen, zukunftsweisenden Entwicklungen die dem Wohl der Menschen die hier leben und arbeiten, die dem Wohl Wuppertals dienen nicht versagt.




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